Die brasilianische Rindfleischproduktion war in der Vergangenheit mit einer enormen Umweltzerstörung verbunden und befindet sich nun am Scheideweg. Die Diskussionen über das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem Mercosur erhöhen die Bedeutung der Nachhaltigkeit und Entwaldungsfreiheit in dieser landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette.
In diesem Artikel analysieren die Autoren die Situation und weisen darauf hin, dass die ausgedehnten degradierten Weideflächen Brasiliens Achillesferse, aber auch ein enormes Potenzial für mehr Nachhaltigkeit ist. Veränderungen in der Rindfleischproduktion, die Flächen für die Landwirtschaft und die Wiederaufforstung freimachen und gleichzeitig die Praktiken der Erzeuger verbessern, könnten dazu beitragen, Brasiliens Glaubwürdigkeit bei internationalen Kunden zu erhöhen.
Anstatt brasilianisches Rindfleisch zu boykottieren, können die europäischen Käufer mehr bewirken, indem sie ihren Verbrauch auf die Unterstützung der notwendigen Veränderungen in diesem Sektor ausrichten.
Professorin und Forscherin beim Think Tank Insper Agro Global, São Paulo. Expertin im Bereich der Agrar- und Ernährungswirtschaft und der internationalen landwirtschaftlichen Lieferketten. Camila beschäftigt sich mit Nachhaltigkeitsthemen in der Landwirtschaft und internationalen Agrarhandel. Sie ist Agraringenieurin (ESALQ-USP) und erwarb ihren Doktortitel an der Universität von São Paulo (USP).
Niels Søndergaard
Niels Søndergaard promoviert in internationalen Beziehungen bei der Universität Brasilia, Brasilien (2018). Bei der der Universität Lund, Schweden (2014) hat er einen Master in Global Studies mit Schwerpunkt Politikwissenschaft. Seine Forschung konzentriert sich auf landwirtschaftliche Produktion, Handel und Governance.
Die Europäische Entwaldungsverordnung (EUDR) ist nach langer und sehr aktiver zivilgesellschaftlicher Beteiligung in Kraft getreten. Das Verbot des Imports von landwirtschaftlichen Produkten, die mit Entwaldung in Verbindung stehen, gilt ab Ende 2024. Ohne Deklaration der Entwaldungsfreiheit und ohne Geolokalisation können eine Reihe von Agrarprodukten nicht mehr in die EU importiert werden. Die EUDR gilt weltweit.
Die Wahrnehmung in den Erzeugerländern ist gemischt. Während einige Umweltverbände die EUDR als Unterstützung für ihre Bemühungen gegen die Entwaldung ansehen, sehen andere Akteure Inhalt und Zustandekommen der Entwaldungsverordnung eher problematisch.
Der APD wollte es für Brasilien genauer wissen und bat zwei herausragende Wissenschaftler, Camila Dias de Sá vom Think Tank „Insper Agro Global“, und Niels Soendergaard von der Universität von Brasília, um eine Studie. Sie führten vertiefende Interviews mit brasilianischen Schlüsselfiguren aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft, NGOs und der Diplomatie.
Das Ergebnis ist eine bemerkenswerte Fotografie der brasilianischen Wahrnehmung der EU-Entwaldungsverordnung.
Niels Søndergaard promoviert in internationalen Beziehungen bei der Universität Brasilia, Brasilien (2018). Bei der der Universität Lund, Schweden (2014) hat er einen Master in Global Studies mit Schwerpunkt Politikwissenschaft. Seine Forschung konzentriert sich auf landwirtschaftliche Produktion, Handel und Governance.
Camila Dias de Sá
Professorin und Forscherin beim Think Tank Insper Agro Global, São Paulo. Expertin im Bereich der Agrar- und Ernährungswirtschaft und der internationalen landwirtschaftlichen Lieferketten. Camila beschäftigt sich mit Nachhaltigkeitsthemen in der Landwirtschaft und internationalen Agrarhandel. Sie ist Agraringenieurin (ESALQ-USP) und erwarb ihren Doktortitel an der Universität von São Paulo (USP).
Der Bio-Landbau und der Bio-Markt in Deutschland sind in den vergangenen 20 Jahren rasant gewachsen. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Bio-Fläche mehr als verdreifacht, der Einzelhandelsumsatz mehr als versiebenfacht. Der Bio-Anteil an der Fläche betrug 2022 11 %, der Einzelhandelsumsatz erreichte im Corona-Boom-Jahr 2021 mit 7 % seinen höchsten Anteil. Bei den Verkaufserlösen der Landwirtschaft erreichen die Bio-Landwirte einen Anteil von 7 %. Alle Anteile sind noch weit entfernt vom Ziel der deutschen Bundesregierung, bis 2030 einen Bio-Anteil von 30 % aufzuweisen. Dennoch haben viele Maßnahmen das schon jetzt erreichte Ziel unterstützt.
Die Broschüre zeigt Erfolgsfaktoren und Hemmnisse und Perspektiven für die weitere Entwicklung des Öko-Landbaus auf. Dazu werden zuerst Anbau und Produktion beleuchtet, wie sich die zunächst grünlandbasierte Bio-Landwirtschaft über die Jahre intensiviert hat. Die Importe bei Produkten, die auch hier produziert werden können, sind bei den meisten Produkten weniger geworden. Die Preise für Bio-Produkte entwickeln sich sowohl auf Erzeuger- als auch auf Verbraucherebene stabiler als auf den konventionellen Märkten, wodurch Marktentwicklungen zwar besser planbar sind, aber unflexibler reagieren. Die Bio-Verarbeitung entwickelt sich zu immer größeren Strukturen. Der Lebensmitteleinzelhandel übernimmt immer größere Anteile am Bio-Markt, und löst damit die einstigen Pioniere im Naturkosthandel immer mehr ab. Politisch hat die Einführung des deutschen Bio-Siegels die Entwicklung deutlich unterstützt, zuletzt bezieht die Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau die gesamte Branche in den Entwicklungsprozess ein.
Auch wenn der Bio-Markt seit Beginn der Inflation und den damit verbundenen Kostensteigerungen seit Mitte 2022 schwächelt und die Verkaufszahlen erstmals in der Geschichte überhaupt zurückgehen, bedeutet das keine grundsätzliche Kehrtwende. Der Klimawandel und die damit notwendige Agrar- und Ernährungswende sind weiterhin fester Bestandteil der politischen Entscheidungen auf der einen Seite und der Aktivitäten des Handels auf der anderen Seite.
Die AMI-Marktanalysten Hans-Christoph Behr, Diana Schaack, Christine Rampold, Thomas Els und Tim Boenigk haben die unterschiedlichen Themen zur Bio-Markt Entwicklung in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren analysiert und leiten daraus Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft ab.
Hans-Christoph Behr (Dr. Sc. agr.) ist AMI-Bereichsleiter der Fachbereiche Ökologischer Landbau und Verbraucherforschung und Marktexperte für Obst und Gemüse mit über 30 Jahren Berufserfahrung. Neben seiner Tätigkeit als Marktanalyst ist er Autor von verschiedenen Produktstudien zu Obst und Gemüse, anderen Fachpublikationen und Gutachten zur Politikberatung für die Bundesregierung und die italienische Marktberichtstelle ISMEA. Außerdem besitzt er intensive Kontakte zu Unternehmen und Organisationen im Obst- und Gemüsesektor und ist ein gefragter Referent bei nationalen und internationalen Veranstaltungen.
Diana Schaack
Diana Schaack (Dipl.-Ing. agr.) ist seit 2009 in der AMI als Marktanalystin für den Ökolandbau zuständig und besitzt zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Marktanalyse des ökologischen Landbaus. Sie beobachtet und analysiert die Bio-Märkte für Schlachttiere und Getreide, prognostiziert deren weitere Entwicklung, national wie international. Neben der Marktbeobachtung hat sie verschiedene Bund- oder Länderfinanzierte Erhebungen geleitet, aus denen sich Empfehlungen an die Politik aus quantitativen und qualitativen Erhebungen ableiten lassen. Sie ist Autorin verschiedenster Fachpublikationen und Gutachten zur Politikberatung für die Bundesregierung Außerdem besitzt sie intensive Kontakte zu Unternehmen und Organisationen in der gesamten Bio-Branche und ist regelmäßige Referentin bei nationalen und internationalen Veranstaltungen.
Christine Rampold
Christine Rampold (Dipl.-Ing. (FH) Gartenbauwissenschaften) ist seit 2010 in der AMI als Marktexpertin und Marktanalystin für den Ökolandbau tätig. Dabei ist sie in erster Linie für die Marktbeobachtung und die Erstellung aktueller Marktlagen zuständig. Außerdem ist sie Autorin verschiedenster Fachpublikationen für den Bio-Bereich und referiert regelmäßig zur aktuellen Situation des Bio-Marktes auf Fachveranstaltungen. Sie verfügt über sehr gute Kontakte zu Unternehmen und Organisationen im Bio-Milch- und Bio-Kartoffelsektor sowie in der Bio-Obst- und Bio-Gemüsebranche.
Thomas Els
Thomas Els (Diplom-Volkswirt) Stv. Bereichsleiter Verbraucherforschung bei der AMI GmbH, Bonn Seit 2009 als Marktanalyst im Fachbereich Verbraucherforschung tätig, mittlerweile stellvertretender Bereichsleiter. Bereits zuvor viele Jahre in verschiedenen Organisationen/Unternehmen der Markt- und Verbraucherforschung in der Land- und Ernährungswirtschaft aktiv. Autor und Referent zu den Themen Konsum und Verbraucherpreise von Nahrungsmitteln. Leitung diverser Projekte und Studien öffentlicher und privater Auftraggeber zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen der Ernährungsbranche.
Tim Boenigk
Tim Boenigk (M.Sc. Agrarwissenschaften) ist seit Oktober 2022 als Junior Produktmanager im Bereich Agribusiness bei der AMI GmbH beschäftigt. In dieser Position unterstützt er den Fachbereich Öko-Landbau im Tagesgeschäft und wirkt an unternehmensinternen Projekten mit. Seine inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf den Märkten von Bio-Getreide, -Gemüse, -Kartoffeln und -Obst. Sein Bachelor- und Masterstudium der Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Nutzpflanzenwissenschaften absolvierte er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Parallel wirkte er in wissenschaftlichen Projekten zum biologischen Pflanzenschutz und Naturschutz in einem obstbaufachlichen Versuchszentrum mit und absolvierte mehrere Praktika in landwirtschaftlichen Unternehmen. Dadurch konnte er umfangreiche Erfahrungen, Kenntnisse und Fähigkeiten in der Praxis sammeln.
The purpose of this technical report is to present a brief overview of the current situation with animal traceability in Brazil, highlighting its main challenges and opportunities, and to propose a series of measures to be implemented mainly by the government. The goal with this report is to establish a minimum legal framework for domestic production of deforestation-free cattle and reduce the participation of cattle production chain in the processes of natural habitat conversion, degradation and deforestation in all Brazilian biomes.
Traceability for sanitary purposes is already well consolidated in Brazil. However, to meet the most recent global demand for food, attributes such as social and environmental issues have become equally important. This discussion is even more relevant when the subject is cattle ranching, because despite its economic relevance, this has been the main activity associated with deforested areas in the country and is even classified as a high-risk commodity by some international markets.
Considering that new international regulations seeking to bar the importation of products associated with deforestation that are already being discussed and approved by relevant importing markets, Brazil very soon will need to promote improvements and modernizations in the currently existing systems and implement new instruments capable of attesting to the socio-environmental traceability of its cattle. To make these changes feasible in a fast, robust and scalable manner, the report proposes the creation of a National Traceability Plan, one of whose roles would be to organize the different government bodies and instances around the establishment of a National Cattle Traceability System.
The present report does not intend to provide detailed technical guidelines for drafting the national plan or to exhaust all the details, mechanisms and instruments necessary to make the establishment of this type of public policy feasible. That must be done within a specific working group composed of government agencies and representatives of the main segments of the Brazilian beef supply chain.
Forest Engineer with a master’s degree in forest sciences from ESALQ/USP and Executive Director of Amigos da Terra – Amazônia Brasileira. Worked for the Ministry of the Environment, coordinating capacity-building initiatives for the commercialization of forest products. Participated in the development of the National Center for Support of Forest Management at IBAMA, was a founder of FSC Brazil, and a member of the Board of Directors of FSC International. Is part of the Executive Committee of the Forest Code Observatory and the Council of the Brazilian Forest Dialogue.
Natália Tiso B. R. Grossi
Bachelor’s degree in Environmental Management at ESALQ/USP. With 10 years of experience in the development and management of projects focused on sustainable production, working with sustainability standards, the development of sociobiodiversity supply chains, and the implementation of traceability commitments and solutions in the meat production chain.
Cintia Munch Cavalcanti
Forest engineer, with a master’s and doctoral degree in Applied Ecology from ESALQ-USP, and postgraduate studies in scientific journalism from Unicamp. With over ten years of experience working on initiatives aimed at contributing to environmental conservation, socioeconomic development, and productivity in agricultural chains.
Pedro C. Burnier
Agricultural engineer with a master’s and doctoral degree in business administration. Has experience as a producer and director of a fruit exporting company, as well as having directed an agricultural development program for 4 years. Has been coordinating the agriculture program at Amigos da Terra – Amazônia Brasileira since 2013, as well as the GTFI program.
Der Green Deal der EU ist ein ambitionierter Ansatz für eine Dekarbonisierung und nachhaltige Produktionsweise der gesamten europäischen Ökonomie im 21. Jahrhundert. Dies ist eine strategische Neu-Orientierung, mit der Europa auch eine technologische Revolution anstrebt. Politisch ist der Green Deal eine Strategie, die den Anspruch erhebt, Zukunft mitzugestalten und nicht nur zu erleiden.
Konkret schlägt die Europäische Kommission mit der „Farm to Fork“-Strategie (F2F) eine Umsetzung des Green Deals in der EU-Landwirtschaft vor. Diese beinhaltet agrarumweltpolitische Zielsetzungen, die weitgehende Veränderungen in der Art, wie Landwirtschaft in der EU betrieben wird und wie und welche Nahrungsmittel konsumiert werden, implizieren.
Aber was bedeutet dies nun für die (Handels-) Partner der Europäischen Union und speziell was bedeutet dies für den Agrarsektor und die Umwelt in Brasilien?
Professor der Agrarpolitik an der Universität Kiel, Dr. Christian Henning, und seine Ko-Autoren Dr. Michael Grunenberg und Frau Lea Panknin haben in unterschiedlichen Szenarien die Auswirkungen auf Brasilien modelliert und berechnet. Die vorliegende Publikation präsentiert und diskutiert hier die Ergebnisse.
Christian Henning ist Professor für Agrarpolitik und geschäftsführender Direktor am Institut für Agrarökonomie der Universität Kiel. Er studierte Agrarwissenschaften, Soziologie, Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Mathematik an den Universitäten Kiel und Mannheim; promovierte in Agrarökonomie und Wirtschaftswissenschaften. Seine zentralen Forschungsfelder: Entwicklung innovativer Methoden zur angewandten polit-ökonomischen Modellierung der Agrarpolitik. Bis heute hat er sechs Bücher sowie zahlreiche Artikel in internationalen begutachteten Fachzeitschriften veröffentlicht.
Michael Grunenberg
Dr. Michael Grunenberg ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Agrarpolitik der CAU. Er hat Politikwissenschaft und Öffentliches Recht an der Universität Greifswald studiert und promovierte anschließend an der CAU zum Doktor der Agrarwissenschaft. Als Politikwissenschaftler forscht er zur (digitalen) politischen Kommunikation, Politik-Netzwerken, Interessengruppeneinfluss sowie beliefs in der Agrarpolitik.
Lea Panknin
Lea Panknin ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin in der Abteilung Agrarpolitik am Institut für Agrarökonomie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Sie hat Ernährungsökonomie, Agrarökonomie und Informatik an der CAU studiert.
Unzählige Akteure aus der Regierung, der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft und dem Privatsektor hatten sich an diesem Prozess beteiligt. Im Januar 2021 dann wurde das Gesetz 14.119 verabschiedet. Es formuliert die „Nationale Politik für die Zahlung von Umweltleistungen“, ein riesiger Schritt für die agrar- und umweltpolitischen Agenda Brasiliens.
In diesem Artikel zur Zahlung von Umweltleistungen präsentieren die Autorin, Erika Pinto, sowie die Autoren André Guimaraes und Paulo Moutinho vom Institut für Umweltstudien des Amazonas, IPAM, die Vorschläge für die nun notwendigen Durchführungsbestimmungen für das Gesetz 14.119. Unter der Federführung von IPAM haben sich über 40 repräsentative Organisationen und Verbände aus Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft und Wissenschaft in der Formulierung dieser Vorschläge eingebracht. Sie alle sind Teil der „Task Force Zahlung von Umweltleistungen“ der „Coalizão Brasil Klima, Wälder Landwirtschaft“, einer breiten Allianz aus Umwelt-NGOs, Wissenschaftsinstituten und Privatsektor.
Darüber hinaus beschreibt der vorliegende Artikel die Fortschritte von Initiativen für die Zahlung von Umweltleistungen auf der sub-nationalen Ebene der Bundesstaaten und bietet einen Überblick über die Herausforderungen dieses Politikansatzes im Jahr 2023.
Das Instrument der Zahlung für Umweltleistungen ist ein zentrales Thema für den Deutsch-Brasilianischen Agrarpolitischen Dialog, APD. Wir hoffen, dass wir mit diesem Artikel dazu beitragen, den Kenntnisstand darüber zu erweitern und unter den Fachleuten und „Policy-Makers“ für Agrar- und Umweltpolitik die Debatte über diesen zentralen umweltpolitischen Mechanismus anregen.
Der vorliegende Essay von Daniel Vargas von der Stiftung Getulio Vargas in São Paulo führt uns literarisch durch die wissenschaftlichen, juristischen, ökonomischen und zweifellos auch politischen Aspekte und Kontroversen über die Funktionsweise der Kohlenstoffmärkte. Er hinterfragt aus der Sicht der großen Potenziale der brasilianischen Landwirtschaft die Maßeinheiten und Regeln, die in den gemäßigten Klimazonen formuliert werden und das Potenzial der Kohlenstoffbindung der tropischen Böden zu unterschätzen scheinen.
Auf grundsätzliche Weise kritisiert er auch, dass die Emissionen bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln dem Erzeugerland angerechnet wird, während die Verbrennung fossiler Kraftstoffe, bei den Konsumentenländern verbucht wird. Er hält es für fragwürdig, Maßnahmen zur Einsparung von Methanemissionen in der Rinderhaltung oder zur Bindung von CO2 in der tropischen Landwirtschaft nicht zu vergüten, wenn gleichzeitig die Erdölwirtschaft Kohlenstoffzertifikate verkaufen kann, wenn sie einen Filter in ihre Anlagen einbaut, der die Öl-Verluste reduziert. Warum, fragt Vargas, wird die Landwirtschaft, die Erzeugung von Lebensmitteln benachteiligt?
Der Autor plädiert schließlich für einen neuen globalen Blick auf die tropische Landwirtschaft, auf das, was zukünftig als „das Grüne“ gelten soll. Er tritt ein für eine „Tropikalisierung“ der Regeln und Meßeinheiten der Kohlenstoffmärkte, nicht zuletzt, um den tropischen Landwirtschaften der südlichen Halbkugel eine gerechte Teilhabe und eine angemessene Vergütung für die Transformation hin zu einer klimafreundlichen Erzeugung von Lebensmitteln und Agrarrohstoffen zu ermöglichen. Dafür – so Vargas – bedarf es einer nationalen Anstrengung, nicht nur der Regierung, sondern des Staates, des Dialogs mit Wissenschaft und Privatsektor und schließlich des internationalen agrar- und umweltpolitischen Dialogs.
Daniel Vargas ist Professor an der FGV Escola de Economia von São Paulo und Koordinator des FGV Bioeconomy Observatory. Er wurde an der Harvard Law School promoviert und hat einen Master-Abschluss in Rechtswissenschaften. Er war unter anderem Staatssekretär für nachhaltige Entwicklung im Ministerium für strategische Angelegenheiten der Präsidentschaft der Republik.
Brasilien formuliert eine eigenständige Agrarpolitik spätestens seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, als Getulio Vargas das Dekret 29.803 von 1951 herausgab. Damals schon betonten die Gesetzgeber die ganze Breite der Zielstellungen der agrarpolitischen Entwicklung: die Stärkung landwirtschaftlichen Produktion und Produktivität, Stabilität der Versorgung, der Märkte und der Preise, die ein ausreichendes Einkommen für die Erzeuger, aber auch bezahlbare Lebensmittel für die Konsumenten garantieren sollten. Bis heute eine aktuelle Agenda!
Die brasilianische Verfassung von 1988 etabliert Grundsätze, Leitlinien und Zuständigkeiten für die Agrarpolitik: Instrumente für das ländliche Kreditwesen, steuerliche und preispolitische Orientierungen, aber auch zur Agrarforschung, technische Beratung, Genossenschaftswesen und andere.
Im Lauf der Jahrzehnte haben alte und neue Herausforderungen agrarpolitische Lösungen erzwungen; dazu gehörten eine ausreichende nationale und regionale Erzeugung von Lebensmitteln, die Exporte, Preis- und Einkommensgarantien, Stärkung der bäuerlichen Wirtschaft, Agrarreform, Kontrolle der Inflation, die Weiterentwicklung der agrarwirtschaftlichen Technologien und der Agrarindustrie. Auch die aktuelle Konjunktur zeigt uns die Herausforderungen unserer Zeit: Bekämpfung des Hungers, die klimatische Krise, die Erzeugung gesunder Lebensmittel, Nachhaltigkeit in der Produktion und dem Management der natürlichen Resourcen und der Artenvielfalt, Stärkung der Frauen, Hofnachfolge, wirtschaftliche und produktive Integration und speziell Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft, der indigenen und traditionellen Völker und Gemeinden.
Dies genau ist das Thema dieses englischsprachigen Beitrags von Arnoldo de Campos, die Agenda der Aktualisierung der brasilianischen Agrarpolitik mit einem Fokus auf bäuerliche Betriebe und ländliche KMU. Der Autor sieht in den aktuellen Herausforderungen eine große Chance und Gelegenheit für eine solche agrarpolitische Aktualisierung. Der Autor ist Ökonom und war bereits in den Nullerjahren des neuen Jahrhunderts bei der Formulierung, im Management und bei der Implementierung neuer Sektorpolitiken für die bäuerliche Landwirtschaft und Ernährungssicherung aktiv beteiligt.
Der Artikel beabsichtigt, eine kritische Reflexion anzuregen über die Notwendigkeit der Anpassung des agrarpolitischen Instrumentariums und des Managements der nationalen Agrarpolitik Brasiliens. Dabei argumentiert der Autor für eine bessere Integration der nationalen Sektorpolitiken für das Klima, der Ernährungssicherung und der sozialen Entwicklung.
Arnoldo de Campos ist Ökonom und war von 2016 Staatssekretär für Ernährungssicherheit. Von 2003 – 2013 war er Leiter der Abteilung zur Stärkung von bäuerlichen Einkommen und Wertschöpfung im Agrarentwicklungsministerium. Heute arbeitet er als Berater für Auftraggeber der Öffentlichen Hand und des Privatsektors in den Bereichen Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme, Nachhaltige Agrarentwicklung, Stärkung der bäuerlichen Betriebe und der ländlichen KMU, Bekämpfung des Hungers, wirtschaftliche und produktive Integration benachteiligter bäuerlicher Betriebe sowie Formulierung und Implementierung entsprechender Sektorpolitiken.
Der vorliegende englischsprachige Beitrag von Camila Dias de Sá vom Think Tank INSPER Agro Global, Claudia Cheron König, Fundação José Luiz Egydio Setúbal sowie Niels Søndergaard, von der Universität von Brasília, zeigt den Stand der aktuellen wissenschaftlichen Debatte in Brasilien zur Produktion und Expansion der Soja und Initiativen, die den Marktakteuren eine höhere Verantwortung für soziale und Umweltfragen überträgt.
Die Autoren zeigen mit aktuellen Daten und tiefer Sachkenntnis die Expansion der Soja in Brasilien, ihre Exportwege im Zeitablauf und diskutieren eingehend die Abholzung insbesondere des Savannenwaldes „Cerrado“. Sie gehen auf unterschiedliche Initiativen ein, um die mit der Soja verbundenen Entwaldung zu stoppen. Dazu gehören Initiativen des Privatsektors und von NGOs, besonders aber auch die Lieferkettengesetze in Europa und die EU-Entwaldungsverordnung. Sie diskutieren praktische, politische und Gerechtigkeitsfragen, die mit diesen legislativen und exekutiven Ansätzen verbunden sind, darunter auch die Frage, ob und wie groß ihr Einfluß auf die Verminderung der Entwaldung insbesondere im Cerrado sein kann.
Aufgrund der globalen Nachfrage wird Soja in Brasilien auch in Zukunft expandieren. Die Umweltpolitik Brasiliens hatte in den vergangenen Jahren klare Signale gesetzt für eine extensive Ausdehnung und damit für eine ungebremste (und meist illegale) Entwaldung. Für die Zukunft darf man mit einer rigorosen Umsetzung der brasilianischen Wald- und Umweltgesetzgebung und damit einer eindeutigen Trendwende erwarten. Die europäischen Initiativen der Nachhaltigkeits-Governance zwischen Europa und Brasilien zwingen die Akteure in der Lieferkette zu erheblichen Anpassungen, deren Kosten noch nicht wirklich absehbar sind. Aber die Zeiten der ungebremsten Abholzung in Brasilien sind vorbei.
Professorin und Forscherin beim Think Tank Insper Agro Global, São Paulo. Expertin im Bereich der Agrar- und Ernährungswirtschaft und der internationalen landwirtschaftlichen Lieferketten. Camila beschäftigt sich mit Nachhaltigkeitsthemen in der Landwirtschaft und internationalen Agrarhandel. Sie ist Agraringenieurin (ESALQ-USP) und erwarb ihren Doktortitel an der Universität von São Paulo (USP).
Claudia Cheron König
Forscherin bei der José Luiz Egydio Setúbal Foundation und CORS-USP, São Paulo. Sie hat in Betriebswirtschaft in der Universität São Paulo promoviert. Bei der Friedrich-Alexander-Universität-Erlangen-Nürnberg, Deutschland erhielte sie einen Master in International Business.
Niels Søndergaard
Niels Søndergaard promoviert in internationalen Beziehungen bei der Universität Brasilia, Brasilien (2018). Bei der der Universität Lund, Schweden (2014) hat er einen Master in Global Studies mit Schwerpunkt Politikwissenschaft. Seine Forschung konzentriert sich auf landwirtschaftliche Produktion, Handel und Governance.
Bio-inputs for agricultural production, such as those based on microbiome or microorganism, are often portrayed as promising technologies to reduce our reliance on fossil-based inputs and increase productivity while contributing to environmental sustainability (e.g. increased soil carbon sequestration, soil restoration, and reduced methane emissions from ruminants).
Although bio-based inputs are usually featured in the debates about sustainable agriculture, adoption remains low, as farmers perceive them as short-lived and with a slower response velocity, when compared to their synthetic counterparts. This article, discuss how Argentina, Brazil, and Uruguay have been fostering a technological and sustainable transition towards increased use of bio-inputs.
It concludes that there is still a need to develop regulatory frameworks to facilitate the development and commercialization of new inputs, extension agents need to receive specialized training on managing agricultural systems that use bio-inputs, and there is a lack on scientific evidence in „real-life“ settings on the socioeconomic effects of bio-inputs.
Fernanda Silva Martinelli is a doctoral researcher at the Center for Development Research (ZEF) at the University of Bonn, Germany. E-mail: fernanda.martinelli@uni-bonn.de
Jorge Sellare
Jorge Sellare is a senior researcher and group leader at the Center for Development Research (ZEF) at the University of Bonn, Germany. Email: jsellare@uni-bonn.de
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