Die Europäische Entwaldungsverordnung, EUDR
Einschätzungen brasilianischer Akteure

Die Europäische Entwaldungsverordnung (EUDR) ist nach langer und sehr aktiver zivilgesellschaftlicher Beteiligung in Kraft getreten. Das Verbot des Imports von landwirtschaftlichen Produkten, die mit Entwaldung in Verbindung stehen, gilt ab Ende 2024. Ohne Deklaration der Entwaldungsfreiheit und ohne Geolokalisation können eine Reihe von Agrarprodukten nicht mehr in die EU importiert werden. Die EUDR gilt weltweit.
Die Wahrnehmung in den Erzeugerländern ist gemischt. Während einige Umweltverbände die EUDR als Unterstützung für ihre Bemühungen gegen die Entwaldung ansehen, sehen andere Akteure Inhalt und Zustandekommen der Entwaldungsverordnung eher problematisch.
Der APD wollte es für Brasilien genauer wissen und bat zwei herausragende Wissenschaftler, Camila Dias de Sá vom Think Tank „Insper Agro Global“, und Niels Soendergaard von der Universität von Brasília, um eine Studie. Sie führten vertiefende Interviews mit brasilianischen Schlüsselfiguren aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft, NGOs und der Diplomatie.
Das Ergebnis ist eine bemerkenswerte Fotografie der brasilianischen Wahrnehmung der EU-Entwaldungsverordnung.
Autoren
Niels Søndergaard


Der Bio-Landbau und der Bio-Markt in Deutschland sind in den vergangenen 20 Jahren rasant gewachsen. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Bio-Fläche mehr als verdreifacht, der Einzelhandelsumsatz mehr als versiebenfacht. Der Bio-Anteil an der Fläche betrug 2022 11 %, der Einzelhandelsumsatz erreichte im Corona-Boom-Jahr 2021 mit 7 % seinen höchsten Anteil. Bei den Verkaufserlösen der Landwirtschaft erreichen die Bio-Landwirte einen Anteil von 7 %.

Der Green Deal der EU ist ein ambitionierter Ansatz für eine Dekarbonisierung und nachhaltige Produktionsweise der gesamten europäischen Ökonomie im 21. Jahrhundert. Dies ist eine strategische Neu-Orientierung, mit der Europa auch eine technologische Revolution anstrebt. Politisch ist der Green Deal eine Strategie, die den Anspruch erhebt, Zukunft mitzugestalten und nicht nur zu erleiden.
Unzählige Akteure aus der Regierung, der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft und dem Privatsektor hatten sich an diesem Prozess beteiligt. Im Januar 2021 dann wurde das Gesetz 14.119 verabschiedet. Es formuliert die „Nationale Politik für die Zahlung von Umweltleistungen“, ein riesiger Schritt für die agrar- und umweltpolitischen Agenda Brasiliens.
Der vorliegende Essay von Daniel Vargas von der Stiftung Getulio Vargas in São Paulo führt uns literarisch durch die wissenschaftlichen, juristischen, ökonomischen und zweifellos auch politischen Aspekte und Kontroversen über die Funktionsweise der Kohlenstoffmärkte. Er hinterfragt aus der Sicht der großen Potenziale der brasilianischen Landwirtschaft die Maßeinheiten und Regeln, die in den gemäßigten Klimazonen formuliert werden und das Potenzial der Kohlenstoffbindung der tropischen Böden zu unterschätzen scheinen.
Brasilien formuliert eine eigenständige Agrarpolitik spätestens seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, als Getulio Vargas das Dekret 29.803 von 1951 herausgab. Damals schon betonten die Gesetzgeber die ganze Breite der Zielstellungen der agrarpolitischen Entwicklung: die Stärkung landwirtschaftlichen Produktion und Produktivität, Stabilität der Versorgung, der Märkte und der Preise, die ein ausreichendes Einkommen für die Erzeuger, aber auch bezahlbare Lebensmittel für die Konsumenten garantieren sollten. Bis heute eine aktuelle Agenda!
Der vorliegende englischsprachige Beitrag von Camila Dias de Sá vom Think Tank INSPER Agro Global, Claudia Cheron König, Fundação José Luiz Egydio Setúbal sowie Niels Søndergaard, von der Universität von Brasília, zeigt den Stand der aktuellen wissenschaftlichen Debatte in Brasilien zur Produktion und Expansion der Soja und Initiativen, die den Marktakteuren eine höhere Verantwortung für soziale und Umweltfragen überträgt.
Bio-inputs for agricultural production, such as those based on microbiome or microorganism, are often portrayed as promising technologies to reduce our reliance on fossil-based inputs and increase productivity while contributing to environmental sustainability (e.g. increased soil carbon sequestration, soil restoration, and reduced methane emissions from ruminants).
Der vorliegende englischsprachige Beitrag von Camila Dias de Sá und Claudia Cheron König, und Niels Søndergaard zeigt den aktuellen wissenschaftlichen Diskussionsstand zum Thema Carbon Farming und Carbon Markets.