Dieses Dokument bietet einen Überblick über die Agrarökologie in Brasilien, von ihren historischen und konzeptionellen Grundlagen bis hin zu den neuesten Techniken und Technologien.
Es listet die verschiedenen agrarökologischen Schulen, die grundlegenden Prinzipien, die die Agrarökologie kennzeichnen, die solide Rechtsgrundlage, die sie unterstützt, die Rolle der Frauen, die Herausforderungen und Chancen, die sie umgeben, sowie die vielversprechenden Trends, die ihre Zukunft bestimmen.
Es werden die aktuellsten Zahlen aus dem Nationalen Register der Öko-Erzeuger vorgestellt, die zum einen den raschen Fortschritt bei der Übernahme agrarökologischer Produktionssysteme und zum anderen das immense Wachstumspotenzial des Sektors zeigen.
So dient dieses umfassende und informative Material als Leitfaden für alle, die sich einen ersten Überblick über die Agrarökologie in Brasilien in ihrer ganzen Breite und ihrem Potenzial verschaffen wollen.
Albano Araújo ist leitender Berater für Wasserressourcen, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Umwelt und Agrarökologie bei Alfa Consultoria e Gestão de Projetos. Geologe, verfügt über ein Postgraduiertenstudium in den Bereichen Projektmanagement, Datenwissenschaft und -analyse; in Environmental, Social and Governance (ESG) sowie in unternehmerische Nachhaltigkeit. E-Mail: albano@pobox.com.
Die Initiative Wasserlinse war ein Pilotprojekt des bilateralen Kooperationsprogramms und entspricht seinem institutionellen Auftrag, den sozialen, ökologischen und ökonomischen Wandel in globalen Ernährungssystemen zu fördern.
Das Projekt Wasserlinse wurde im Jahr 2023 erstmals über mehrere Monate gemeinsam mit brasilianischen Partnern, insbesondere mit Kleinbauern, im Sertão von Pernambuco, in der Gemeinde Mirandiba entwickelt und umgesetzt. Dabei förderte diese Initiative die Einführung der Produktion von pflanzlichem Eiweiß aus Wasserlinsen in kleinen Teichen. Ziel war, Fischteiche für Kleinbauern anzulegen und die Wasserlinse als klimafreundliche Proteinquelle für Tierfutter einzuführen. In anderen Ländern werden bereits Milchkühe, Jungrinder, Schweine, Schafe, Kaninchen, Mäuse, Enten, Hühner sowie Zuchtfische (bis zu 70 %) mit Wasserlinsen gefüttert.
Innovationen und neue landwirtschaftliche Praktiken konnten aufgrund der Fachberatung und wissenschaftlichen Unterstützung im Rahmen verschiedener Partnerschaften, z.B. mit dem Agronomischen Institut von Pernambuco (IPA), der Gemeindeverwaltung von Mirandiba, der Bundesuniversität von Pernambuco (Akademische Einheit Serra Talhada) und der Kooperation mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena in Deutschland eingeführt werden.
Die Wasserlinse kann zwar auch als Lebensmittel für Menschen dienen, speziell aber strategisch als Tierfutter in der lokalen Wertschöpfungskette eingesetzt werden. Es sollten weitere Forschungen und Entwicklungsarbeiten durchgeführt werden, um die Produktion der Pflanze an die physiologischen und klimatischen Bedingungen vor Ort anzupassen, denn die Wasserlinse hat das Potenzial, positive Einkommenswirkungen in den kleinbäuerlichen Betrieben im Sertão zu erzielen.
Aus ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Sicht ist die Wasserlinse eine hochwertige Eiweißquelle, die sich nachweislich für eine nachhaltige, klimafreundliche Tierernährung eignet. Das Pilotprojekt in Mirandiba hat bereits bewiesen, dass die Wasserlinse eine wirtschaftlich tragfähige Alternative ist.
Gleice Mere arbeitet als Journalistin und Fotografin in Umwelt- und Entwicklungsprojekten im Amazonasgebiet, im Planungsministerium und bei der GIZ Brasilien. Seit rund 20 Jahren ist sie Beraterin für Kommunikation, unter anderem verantwortlich für Publikationen und interkulturelle Projekte. Seit April 2021 arbeitet sie im Deutsch-Brasilianischen Agrarpolitischen Dialog.
MAGNUS MÖLLGARD
Magnus Möllgard ist Agrar-Ingenieur, Landwirt und landwirtschaftlicher Innovator mit langjähriger praktischer Erfahrung in bäuerlichen Agrarsystemen des semi-ariden Raums, ökologische Landwirtschaft sowie tropischer Obstbau. Magnus hat zahlreiche kleinbäuerliche Entwicklungsprojekte angestoßen und geleitet, in denen neue Kulturen und bäuerliche Geschäftsmodelle getestet wurden, z.T. angebunden an staatliche Ankaufprogramme für die bäuerliche Landwirtschaft. Von Juni 2023 bis März 2024 leitete er das Wasserlinsenprojekt des Innovations- und Transformationsfonds des BMLEH.
INGO MELCHERS
Ingo Melchers ist Agrar-Ingenieur mit langjähriger Berufserfahrung in Projekten der Ernährungssicherung, Agrar- und Umweltpolitik, Integration der bäuerlichen Ökonomie in nachhaltige Wertschöpfungsketten. Von 2021 bis März 2024 Leiter des Agrarpolitischen Dialogs zwischen Deutschland und Brasilien.
KLAUS APPENROTH
Klaus Appenroth ist Gründungsmitglied des „International Steering Committee on Duckweed Research and Applications” und arbeitet seit über 45 Jahren mit Wasserlinsen. Etwa 150 wissenschaftliche Publikationen sind von ihm in internationalen Zeitschriften erschienen. Er erhielt einen Doktortitel in Chemie und die Habilitation für Pflanzenphysiologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Deutschland. Er war Alexander von Humboldt-Stipendiat und ist seit 2022 Ehrenmitglied der Deutschen Botanischen Gesellschaft. Seit seiner Emeritierung 2014 arbeitet er weiterhin als Gastwissenschaftler an der Universität Jena.
K. SOWJANYA SREE
K. Sowjanya Sree hat ihren Master of Science in Pflanzenwissenschaft an der Universität Hyderabad und promoviert in Botanik, Andhra Universität, Visakhapatnam mit Auszeichnung. Sie arbeitete im International Centre for Genetic Engineering and Biotechnology, New Delhi, war Projektleiterin im Science and Engineering Research Board, Assistenz-Professorin im Amity University Uttar Pradesh, Noida, und arbeitet auch bei Max Planck Fellow. Seit 2016 ist sie Assistenz-Professorin an der Central University of Kerala und ist Mitglied des International Steering Committee on Duckweed Research and Applications.
Dieser Artikel beschreibt die Umsetzung von unternehmerischen Sorgfaltspflichtinitiativen in der Europäische Union (EU) und bezieht dabei auch aktuelle wissenschaftliche und politische Diskussionen ein.
Er hat nicht zum Ziel, eine umfassende Bewertung der geltenden Sorgfaltspflichtinitiativen vorzunehmen. Im Fokus stehen die von der EU eingeführten Gesetze zur Sicherstellung von Umwelt- und Menschenrechtsstandards in internationalen Lieferketten und möglich Zielkonflikte, die sich ergeben könnten.
Dabei beleuchtet der Artikel die Herausforderungen und Chancen für Handelsakteure und untersucht die komplexen Wechselwirkungen zwischen gesetzlichen Vorgaben und unternehmerischer Praxis. Dazu gehört auch die kritische Analyse, inwieweit die EU-Vorgaben den Handel mit Entwicklungsländern beeinflussen werden und welche Anpassungen notwendig sein könnten, um eine faire und effektive Umsetzung zu gewährleisten.
Kristina Mensah ist freiberufliche Gutachterin zu den Themen Agrarpolitik und Agrarhandel. Sie hat mehrere Jahre als Beraterin für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH gearbeitet, wo sie etwa zu den Themen Wirkung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auf Entwicklungsländer beraten hat. Sie hat einen Bachelor in Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften und einen Master in Agriculture and Food Economics der Universität Bonn. Zudem arbeitet sie an ihrer Promotion an der Universität Hohenheim am Lehrstuhl für Agrar- und Ernährungspolitik zum Thema geostrategische Dimension der Ernährungspolitik.
Dieses Jahr, am 30. Dezember, tritt die Europäische Entwaldungsverordnung (EUDR) in Kraft. Ziel dieser Verordnung ist die Sicherstellung entwaldungsfreier Lieferketten für landwirtschaftliche Produkte, die sich in der Vergangenheit als starke Treiber der globalen Entwaldung erwiesen haben. Im Einzelnen erstreckt sich die Regulierung auf die Bereiche Soja, Palmöl, Gummi, Kakao, Kaffee, Rinderzucht und Holzgewinnung. Unmittelbar betroffen von der EUDR sind Unternehmen mit Sitz in der Europäischen Union (EU), wenn sie eines der genannten Produkte in den Verkehr des EU-Binnenmarktes bringen. Im Kern verpflichtet die EUDR diese „Inverkehrbringer“ dazu, ihre Transaktionen im Vorfeld zu registrieren sowie eine umfangreiche Sorgfaltspflichterklärung abzugeben. Zentraler Bestandteil der Sorgfaltspflichten sind Angaben zum genauen Produktionsort der in den Markt gebrachten landwirtschaftlichen Erzeugnisse basierend auf satellitengestützten Geolokationsdaten.
Darüber hinaus verlangt die EUDR-Nachweise darüber, dass die Produktion der landwirtschaftlichen Güter der geltenden Gesetzeslage in den Erzeugerländern entspricht sowie zentrale Menschenrechte eingehalten werden. Während EU-Marktakteure direkt von der EUDR betroffen sind, übertragen sie diese Anforderungen an ihre Geschäftspartner in den Erzeugerländern, die dann wiederum vor der Herausforderung stehen, die erforderlichen Informationen und Dokumentationen bereitzustellen, um den Zugang zu den EU-Märkten nicht zu verlieren. Aktuell lässt sich in den Produzentenländern ein hohes Maß an Unsicherheit beobachten, wie die regulatorischen Anforderungen aus der EUDR, konkret umgesetzt werden müssen.
IGUAZU-Gipfel (IGUAZU Summit) Zwischen der Bundesrepublik Deutschland sowie verschiedenen südamerikanischen Ländern bestehen eine Reihe von agrar-politischen und -technischen Dialogen, die gemeinsam am 14. und 15. März 2024 in Puerto Iguazú, Argentinien, ein internationales Treffen (IGUAZU-Gipfel) organisiert haben, um die Frage der Implementierung der EUDR mit einem Fokus auf den Soja- und Rindfleischsektor in den MERCOSUR-Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay zu diskutieren. Ziel des Gipfels war es, unterschiedliche Stakeholder aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft in einem partizipativen Format zusammenzubringen, um die aktuell noch bestehenden Herausforderungen in der Umsetzung der EUDR zu identifizieren und Lösungen zu deren Schließung zu entwickeln.
Dieser Report beinhaltet eine wissenschaftliche Analyse der wichtigsten Ergebnisse des IGUAZU-Gipfels. Unter anderem wird deutlich werden, dass die Implementierung der EUDR mit erheblichen regulatorischen Kosten verbunden ist, die Infrastruktur für eine reibungslose Umsetzung der EUDR noch deutlich weiterentwickelt werden muss, Kleinbauern ein besonders hohes Risiko tragen, aus den Wertschöpfungsketten in die EU ausgeschlossen zu werden, und neben den technischen Lücken auch Anreizprobleme für Akteure aus den Produzentenländern bestehen, in die Umsetzung der EUDR zu investieren. Eine zentrale Voraussetzung für die Überwindung dieser Herausforderungen liegt im Aufbau tragfähiger Kommunikationsstrukturen zwischen der EU, den nationalen Durchsetzungsbehörden sowie Akteuren aus den Produzentenstaaten, um gemeinsam Lösungen für eine erfolgreiche Implementierung der EUDR zu entwickeln.
Thomas Dietz ist Professor für Internationale Beziehungen und Recht mit dem Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung. Bevor er nach Münster kam, war er Postdoctoral Fellow am Institute of European and Comparative Law an Oxford Universität und Mitglied des Wolfson College. Thomas hat einen MA in Politikwissenschaft von der Universität Bonn und einen Doktortitel in Rechtswissenschaft von der Universität Bremen, wo er auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sonderforschungsbereich 597 „Transformationen des Staates“ gearbeitet hat. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen internationale Politik, internationales Recht und nachhaltige Entwicklung.
Paulo Mortara
Paulo Mortara Batistic ist Doktorand an der Universität Münster. Seine Forschungsinteressen umfassen Entwicklung, nachhaltigen Handel und insbesondere transnationale Governance sowie sozioökologische Aspekte von Zertifizierungen sowie deren Auswirkungen auf Kleinproduzenten in globalen Wertschöpfungsketten.
The 2022 Deforestation Regulation of the European Union marks a significant stride in combating deforestation within commodity supply chains. Nevertheless, the compliance requirements for traceability and transparency have left many policy makers and corporations in producer and importer countries in confusion. In the context of Brazil, two key exported commodities affected by this legislation are soy and cattle products, of which a substantial part reaches the borders of the EU.
Cattle and soy production in Brazil has been linked to deforestation and other natural ecosystem conversion, in particular in the Amazon and Cerrado biomes. Currently, achieving traceability and transparency in cattle and soy supply chains in Brazil presents challenges. This paper aims to highlight opportunities for producer-consumer country partnerships to advance the implementation of compliant traceability and transparency systems in Brazil.
The paper outlines the challenges faced by both sectors and emphasizes the role of private and public initiatives in bringing forward constructive solutions. This work reflects the discussions held in the Brazilian Coalition’s Traceability and Transparency taskforce, which works towards building a national traceability and transparency policy that could address the complexity of the productive sectors‘ supply chains, encompassing both cattle and soy.
Isabella Freire is the Co-Director for Latin America at Proforest. She has 20 years of experience in sustainability in the agribusiness sector, negotiation and establishment of cross-sector partnerships, strategic planning, responsible sourcing of agricultural commodities, policy development and analysis, project design and management, standard development and process facilitation. She established and developed Proforest regional office in Brazil. She holds an MPhil in Environmental Policy from the University of Cambridge and a BA in International Relations from the University of Brasilia.
Cecília Korber Gonçalves
Cecília Korber Gonçalves is Principal Project Manager at Proforest coordinating landscape and collaboration programs, and projects of responsible sourcing of agricultural commodities including cattle and soy. She has over 15 years of experience in large corporations and consultancy in the areas of agricultural supply chains, sustainability, social and environmental certifications, and climate change. She has an MBA in Agribusiness and in Sustainability Management, a Master’s degree in Materials Engineering and holds a degree in Chemical Engineering.
Paulien Denis
Paulien Denis is Senior Project Manager at Proforest. She works on responsible sourcing and production of agricultural commodities including cattle, soy, and sugar. She furthermore leads the organization’s work on climate, linking Proforest’s DCF, regenerative agriculture and landscape work to corporate climate commitments. She has a background in environmental engineering and sustainable territorial development.
Carolle Alarcon
Carolle Alarcon is the Executive Manager for the Brazilian Coalition for Climate, Forest, and Agriculture. She holds a Master’s degree in Tropical Forestry from the Technical University of Dresden, in Germany, and a Bachelor’s degree in Environmental Management from the University of São Paulo. With multifaceted career, Carolle brings a rich cultural and linguistic background to her work at the intersection of environmental conservation and policy with diverse institutions in the Amazon region, as well as Germany and Nepal.
Jorge Sellare, Fernanda Martinelli und Jan Börner vom Zentrum für Entwicklungsforschung, ZEF der Universität Bonn präsentieren in diesem Artikel die Bedeutung von Bioökonomie-Innovationen für die Transformation der Ernährungssysteme wie sie der sog. Food Systems Summit vorgeschlagen hat.
Die Autoren formulieren Empfehlungen und stellen fest, wo noch Wissenslücken bestehen.Vier Innovationen werden dabei besonders in den Blick genommen: Bio-Inputs für die landwirtschaftliche Erzeugung, bio-fortifizierte Kulturen, pflanzenbasierter Fleischersatz und Biotreibstoffe.
Die Anwendung von Bioökonomie-Innovationen hinkt dem Potenzial zur Transformation der Ernährungssysteme hinterher. Um diese Entwicklung in großem Stil zu beschleunigen, schlagen die Autoren drei Handlungspakete vor: (1.) kohärente regulatorische und Rahmenbedingungen, um Investitionen anzuregen, den Zugang zu diesen Technologien zu erleichtern und ihre Kosten zu vermindern. (2.) Aufbau einer robusteren Struktur der wissenschaftlichen Forschung über den Impakt dieser Technologien in der Praxis, um die öffentliche Unterstützung für diese Ansätze zu unterstützen. Und schließlich (3.) erfordert der erwünschte Wandel der Konsumgewohnheiten vermutlich Politik-Instrumente wie beispielsweise die Einführung von Konsumsteuern auf bestimmte Lebensmittel.
In ihren Schlußfolgerungen warnen die Autoren, dass technologische Innovationen selten neutral sind und bestehende Ungleichheiten noch verstärken können, wenn vulnerable Gruppen keinen Zugang zu diesen Innovationen bekommen oder auch sonst keinen Nutzen aus ihnen ziehen können.
Jorge Sellare is a senior researcher and group leader at the Center for Development Research (ZEF) at the University of Bonn, Germany. Email: jsellare@uni-bonn.de
Fernanda Silva Martinelli
Fernanda Silva Martinelli is a doctoral researcher at the Center for Development Research (ZEF) at the University of Bonn, Germany. E-mail: fernanda.martinelli@uni-bonn.de
Jan Börner
Jan Börner ist Professor für Ökonomie der nachhaltigen Landnutzung und Bioökonomie am Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomie (ILR) und dem Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn, Deutschland.
Brasilien gehört weltweit zu den führenden Ländern bei der Produktion und dem Einsatz von Bio-Inputs in der Landwirtschaft. Die Entwicklung neuer Produkte biologischen Ursprungs ist ein wachsender Trend auf dem brasilianischen Markt. In dem Maße, wie die Produktion voranschreitet und Bio-Inputs in die Landwirtschaft integriert werden, profitiert das Land wirtschaftlich und ökologisch. Doch die Verbreitung von Bio-Inputs gibt auch Anlass zur Sorge.
In diesem Artikel stellen die Autoren Daniel Vargas, Fernanda Valente, Cícero Lima und Sabrina Matos – Forscher der Getulio Vargas Stiftung – den Stand der Dinge von Bio-Inputs in Brasilien aus zwei sich ergänzenden Perspektiven vor: der wirtschaftlichen Seite und der regulatorischen Rahmenbedingungen.
Es handelt sich hier um eine grundlegende Debatte für die Nachhaltigkeit der brasilianischen Landwirtschaft.
Professor an der FGV Escola de Economia von São Paulo und Leiter des FGV Bioeconomy Observatory. Er wurde an der Harvard Law School promoviert und hat einen Master in Rechtswissenschaften. Er war unter anderem Staatssekretär für nachhaltige Entwicklung im brasilianischen Ministerium für strategische Angelegenheiten der Präsidentschaft der Republik.
Fernanda Valente
Promovierte in Angewandter Ökonomie an der Universität von São Paulo (USP). Valente ist Forscherin am Bioeconomy Observatory der Getulio Vargas Stiftung (FGV). Sie verfügt über Erfahrung in der Raum- und Raum-Zeit-Statistik mit Anwendungen in den Bereichen Klimawandel und Epidemiologie, Zeitreihenökonometrie, Bayes’sche Statistik und Berechnungsmethoden in der Statistik.
Cícero Lima
Promotion in angewandter Wirtschaftswissenschaft an der Bundesuniversität von Viçosa. Er war Gaststudent am MIT Joint Programme on the Science and Policy of Global Change sowie Postdoc-Forschungsmitarbeiter an der Abteilung für Agrarwirtschaft der Purdue University – IN, USA.
Sabrina Carlos
Promovierte in angewandter Ökonomie an der Bundesuniversität von Viçosa (UFV). Carlos ist Forscherin am Observatorium für Bioökonomie der Getulio Vargas Stiftung (FGV). Sie arbeitet in den Bereichen Ökonomie der natürlichen und ökologischen Ressourcen, Agrarökonomie, nachhaltige Entwicklung und Bioenergie.
Im September 2023 stärkte das Oberste Gericht Brasiliens in einer bahnbrechenden Entscheidung – allem Anschein nach gegen die parlamentarische Mehrheit im Kongress – die verfassungsmäßigen Rechte der Ureinwohner.
Ein neuer gesellschaftspolitischer Pakt in und mit der brasilianischen Agrar- und Ernährungswirtschaft und mit dem brasilianischen Hinterland ist nötig, so die These des Politikwissenschaftlers Wellington Almeida in dieser Publikation.
Der Autor analysiert die Möglichkeiten neue Wege zu beschreiten, um in dem konfliktträchtigen und potenziell explosiven Streit und untersucht historische Sackgassen, aber auch Optionen der gesellschaftlichen Annäherung.
Brasilien nimmt unter Präsident Lula wieder eine führende internationale Rolle in Umwelt- und Klimafragen ein. Die aktuelle Situation, so der Autor, bietet eine der seltenen historischen Gelegenheiten, eine neue Agenda der nationalen und geopolitischen Annäherung in Umweltfragen voranzubringen.
Wellington Almeida wurde an der Universität von São Paulo (USP) in Politikwissenschaft promoviert und ist außerordentlicher Professor an der Universität von Brasília (UnB). Er war Gastforscher an der School of International and Public Affairs der Columbia University und Gastprofessor an der School of Oriental and African Studies (SOAS) – University of London.
Die brasilianische Rindfleischproduktion war in der Vergangenheit mit einer enormen Umweltzerstörung verbunden und befindet sich nun am Scheideweg. Die Diskussionen über das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem Mercosur erhöhen die Bedeutung der Nachhaltigkeit und Entwaldungsfreiheit in dieser landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette.
In diesem Artikel analysieren die Autoren die Situation und weisen darauf hin, dass die ausgedehnten degradierten Weideflächen Brasiliens Achillesferse, aber auch ein enormes Potenzial für mehr Nachhaltigkeit ist. Veränderungen in der Rindfleischproduktion, die Flächen für die Landwirtschaft und die Wiederaufforstung freimachen und gleichzeitig die Praktiken der Erzeuger verbessern, könnten dazu beitragen, Brasiliens Glaubwürdigkeit bei internationalen Kunden zu erhöhen.
Anstatt brasilianisches Rindfleisch zu boykottieren, können die europäischen Käufer mehr bewirken, indem sie ihren Verbrauch auf die Unterstützung der notwendigen Veränderungen in diesem Sektor ausrichten.
Professorin und Forscherin beim Think Tank Insper Agro Global, São Paulo. Expertin im Bereich der Agrar- und Ernährungswirtschaft und der internationalen landwirtschaftlichen Lieferketten. Camila beschäftigt sich mit Nachhaltigkeitsthemen in der Landwirtschaft und internationalen Agrarhandel. Sie ist Agraringenieurin (ESALQ-USP) und erwarb ihren Doktortitel an der Universität von São Paulo (USP).
Niels Søndergaard
Niels Søndergaard promoviert in internationalen Beziehungen bei der Universität Brasilia, Brasilien (2018). Bei der der Universität Lund, Schweden (2014) hat er einen Master in Global Studies mit Schwerpunkt Politikwissenschaft. Seine Forschung konzentriert sich auf landwirtschaftliche Produktion, Handel und Governance.
Die Europäische Entwaldungsverordnung (EUDR) ist nach langer und sehr aktiver zivilgesellschaftlicher Beteiligung in Kraft getreten. Das Verbot des Imports von landwirtschaftlichen Produkten, die mit Entwaldung in Verbindung stehen, gilt ab Ende 2024. Ohne Deklaration der Entwaldungsfreiheit und ohne Geolokalisation können eine Reihe von Agrarprodukten nicht mehr in die EU importiert werden. Die EUDR gilt weltweit.
Die Wahrnehmung in den Erzeugerländern ist gemischt. Während einige Umweltverbände die EUDR als Unterstützung für ihre Bemühungen gegen die Entwaldung ansehen, sehen andere Akteure Inhalt und Zustandekommen der Entwaldungsverordnung eher problematisch.
Der APD wollte es für Brasilien genauer wissen und bat zwei herausragende Wissenschaftler, Camila Dias de Sá vom Think Tank „Insper Agro Global“, und Niels Soendergaard von der Universität von Brasília, um eine Studie. Sie führten vertiefende Interviews mit brasilianischen Schlüsselfiguren aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft, NGOs und der Diplomatie.
Das Ergebnis ist eine bemerkenswerte Fotografie der brasilianischen Wahrnehmung der EU-Entwaldungsverordnung.
Niels Søndergaard promoviert in internationalen Beziehungen bei der Universität Brasilia, Brasilien (2018). Bei der der Universität Lund, Schweden (2014) hat er einen Master in Global Studies mit Schwerpunkt Politikwissenschaft. Seine Forschung konzentriert sich auf landwirtschaftliche Produktion, Handel und Governance.
Camila Dias de Sá
Professorin und Forscherin beim Think Tank Insper Agro Global, São Paulo. Expertin im Bereich der Agrar- und Ernährungswirtschaft und der internationalen landwirtschaftlichen Lieferketten. Camila beschäftigt sich mit Nachhaltigkeitsthemen in der Landwirtschaft und internationalen Agrarhandel. Sie ist Agraringenieurin (ESALQ-USP) und erwarb ihren Doktortitel an der Universität von São Paulo (USP).
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